Die Sauna gehört heute zum Wellness-Angebot wie Eukalyptus zum Aufguss
Damals waren die Gründe für das Saunieren andere. Es ging um körperliche Reinigung, um Wärme zum Überleben in kalten Wintern und auch um Geburtsstätten für Kinder, weil die extremen Temperaturen Bakterien abtöteten und somit die Hütten zu keimfreien, geschützten Orten wurden.
Heute dient das Saunieren in erster Linie der Entspannung. Wenn wir von Wellness sprechen, denken wir unwillkürlich auch an die verschiedensten Formen von Saunen – vom Dampfbad über das Caldarium und die Infrarotsauna bis zur Bio- und finnischen Sauna.
Schloss Seefels im Interview mit Renato Sonego
Hotel Schloss Seefels: Herr Sonego, Sie sind Präsident der Associazione Italiana Sauna e Aufguss. Wie erlangt man diesen Titel?
Renato Sonego: Präsident zu sein, ist eine Funktion innerhalb des Vereins. Dahinter steht jedoch ein Weg, der bereits vor vielen Jahren begonnen hat; zunächst vor allem als große Leidenschaft für Sauna und Aufguss.
Die AISA (Associazione Italiana Sauna e Aufguss) wurde mit dem Ziel gegründet, in Italien eine fundierte und korrekte Sauna- und Aufgusskultur zu verbreiten. Im Laufe der Jahre haben wir uns intensiv mit der Ausbildung von Aufgussmeistern beschäftigt. Der Ausbildungsweg umfasst eine theoretische und praktische Vorbereitung, eine Zeit der Betreuung und Begleitung in der Sauna und schließlich eine Prüfung.
Ich glaube jedoch, dass das Diplom erst der Anfang ist. Ein guter Aufgussmeister bildet sich kontinuierlich weiter, tauscht sich mit anderen aus und sammelt vor allem Erfahrung. Denn die Technik kann man erlernen, während die Fähigkeit, mit Menschen in Beziehung zu treten, mit der Zeit entsteht.
Hotel Schloss Seefels: Als „Meister der Zeremonien“ begleiten Sie die Gäste des Seefels während des „Hot October“ im Hotel Schloss Seefels am Wörthersee. Was fasziniert Sie an dieser besonders „heißen“ Aufgabe?
Renato Sonego: Was mich am meisten fasziniert, ist das Kennenlernen von Menschen und diesen Menschen etwas zu bieten, womit sie vielleicht nicht gerechnet haben.
Ein Aufguss dauert nur wenige Minuten; aber in dieser Zeit entsteht eine kleine Gemeinschaft: Menschen, die sich vielleicht noch nie zuvor gesehen haben, teilen die Wärme, die Düfte, die Musik, die Stille und auch das eine oder andere Lächeln.
Einen Aufguss an einem Ort wie dem Seefels mit Blick auf den Wörthersee zu zelebrieren, macht das Ganze so besonders. Denn die Umgebung ist Teil des Erlebnisses. Und hier haben wir wirklich eine außergewöhnliche Kulisse.
Hotel Schloss Seefels: Was dürfen sich die Gäste, die das Arrangement „Hot October“ buchen, von ihren Saunaerlebnissen im wunderschönen Seefels Spa erwarten?
Renato Sonego: Ich würde zunächst sagen: Vielfalt. Ich möchte nicht, dass die Gäste denken: „Ich habe einen Aufguss erlebt, also weiß ich schon, was beim nächsten Aufguss passieren wird.“ Jedes Ritual kann seine ganz eigene Identität haben.
Es wird entspanntere und meditative Momente geben; andere werden energiegeladener sein; bei wieder anderen werden wir stärker mit Musik, Aromen und der Intensität der Wärme spielen.
Mein Ziel ist, dass jeder Gast mindestens ein Ritual erlebt, das ihm besonders in Erinnerung bleibt. Und vielleicht entsteht bei jenen, die diese Welt bisher nur wenig kennen, auch die Lust, noch mehr über die Saunakultur zu entdecken.
Hotel Schloss Seefels: Kann Ihre Kunst, die Seefels-Gäste zum Schwitzen zu bringen, in all unseren Saunen erlebt werden – im Sole-Laconium, im Dampfbad, in der Bio-Kräutersauna, in der finnischen See-Sauna und in der finnischen Panoramasauna?
Renato Sonego: Ja, nur nicht auf dieselbe Art; und genau das ist das Schöne daran. Jeder Raum hat andere Eigenschaften hinsichtlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Wärmeempfinden und erfordert daher einen anderen Ansatz.
Die finnische Sauna ist der prädestinierte Ort für den klassischen Aufguss: Wasser und Eis werden auf die Steine des Saunaofens gegeben, um die Luftfeuchtigkeit und den Dampf vorübergehend zu erhöhen. Anschließend wird der Dampf mithilfe verschiedener Wedeltechniken im Raum verteilt.
Im Dampfbad, im Laconium und in den sanfteren Bereichen können wir hingegen mit anderen Erlebnissen arbeiten: Aromen, Peelings, Kräutern, Momenten der Entspannung und Ritualen, die speziell auf den jeweiligen Raum abgestimmt sind.
Man sollte nicht versuchen, überall dasselbe Ritual zu machen. Man muss die jeweilige Umgebung respektieren und ihre Besonderheiten optimal nutzen.
Hotel Schloss Seefels: Was unterscheidet Ihre Aufgüsse von traditionellen Saunaritualen?
Renato Sonego: Wahrscheinlich ist es die Tatsache, dass ich immer den Kontakt zu den Menschen suche. Die Technik ist wichtig: Man muss die Wärme kennen, den Dampf richtig handhaben und mit ätherischen Ölen sowie den verschiedenen Wedeltechniken umgehen können. Aber für mich ist ein Aufguss, der technisch perfekt ausgeführt wurde, nicht automatisch auch ein gelungener Aufguss.
Ich beobachte die Menschen gerne, versuche zu verstehen, wie sie das Ritual erleben, und schaffe eine Atmosphäre, in der sie sich einbezogen fühlen können. Manchmal reicht dafür schon eine bestimmte Musik, ein Duft oder eine Geste. In anderen Situationen braucht es auch etwas Leichtigkeit und Humor.
Jeder Aufguss erzählt seine eigene Geschichte; aber vor allem ist jede Gruppe von Gästen anders. Deshalb sollte ein Aufguss meiner Meinung nach niemals einfach eine Kopie des Vorherigen sein.
Hotel Schloss Seefels: Was empfehlen Sie unseren Seefels-Gästen für einen Saunabesuch und was sollten sie auf keinen Fall verpassen?
Renato Sonego: Der erste Ratschlag ist ganz einfach: "Nehmen Sie sich Zeit." Die Sauna sollte nicht mit Blick auf die Uhr oder als eine Liste von Dingen erlebt werden, die man erledigen möchte oder muss. „Gehen Sie hinein, hören Sie auf Ihren Körper, ruhen Sie sich zwischen den Saunagängen aus. Trinken Sie ausreichend und nehmen Sie sich die notwendige Zeit zum Abkühlen und zur Erholung."
Und während des „Hot October“ empfehle ich natürlich, zumindest einen Aufguss auszuprobieren – auch denjenigen, die noch nie einen erlebt haben. Man muss kein Saunaexperte sein, um teilzunehmen. Man sollte lediglich ein wenig Neugier mitbringen. Denn genau das ist für mich das Schöne am Aufguss: Die Wärme vergeht, das Erlebnis bleibt.
Das ist ein wunderschönes Schlusswort. Vielen Dank, Herr Sonego, für diese interessanten Einblicke in Ihre „heiße“ Kunst.